11. Oktober 2005

Verpeilt zum Alpha Centauri

PRIVILEG DES CAPTAIN

Verpeilt zum Alpha Centauri

Noch 1064 Tage bis zum Ende der Mission.

Captain Robert P. Grunt war für einen Augenblick seinen Pflichten als Kommandant eines interstellaren Langstrecken-Kreuzers entkommen und hatte sich in die Privatsphäre des Raumes zurückgezogen, der unter der Crew als “Thronsaal des Captain” bekannt war: seine private Toilette auf der Steuerbord-Seite der Brücke; dorthin, wo er unter keinen Umständen gestört zu werden wünschte - es sei denn, es handelte sich um einen Notfall höchsten Ausmaßes, der seine Aufmerksamkeit in Anspruch nahm.
Nicht, dass solche Notfälle jemals eintraten. Oder überhaupt irgendwelche Vorfälle. Auch waren seine Pflichten als Kommandant eines quasi vollautomatischen Raumschiffs ohnehin kaum der Rede wert. Um die meisten Funktionen an Bord kümmerte sich der Schiffscomputer, und das wenige, was von Hand bedient werden musste, erledigte die zehn Mann starke Crew der USS Seventy Roses meist selbständig, ohne vorher Grunts Anweisungen abzuwarten.

Verpeilt zum Alpha Centauri

Was für den Captain ein Quell ständigen Ärgernisses war. Wozu war er denn Kommandant eines Raumschiffes, wenn man ihm keine Gelegenheit zum Kommandieren gab? Der Weltraum war so verdammt groß und leer, so verdammt langweilig. Auf faszinierende oder gefährliche Weltraum-Phänomene, die man untersuchen konnte oder die das Schiff in Gefahr brachten, traf man so gut wie nie, genau genommen bisher überhaupt noch nicht. Fast genauso selten begegnete man einem anderen Raumschiff, mit dessen Kommandant man ein Schwätzchen halten oder gegen das man sich verteidigen konnte, oder das man, falls beides nicht erforderlich oder erwünscht war, angreifen konnte.
Auch trafen so gut nie Notrufe ein, die es erforderlich machten, das Schiff von seinem vorbestimmten Kurs abzubringen und mit Höchstgeschwindigkeit einem in Bedrängnis geratenen Volk auf einem entlegenen Planeten zu Hilfe zu eilen. Was auch, ehrlich gesagt, nicht viel genützt hätte. Bei den irrsinnig weiten Strecken, die man im All zurücklegen musste, um von einem Planeten zum nächsten zu gelangen, ganz zu schweigen um zu einem entlegenen Planeten zu kommen, wäre die USS Seventy Roses wohl auch bei Höchstgeschwindigkeit in jedem Fall zu spät gekommen, und zwar um etliche Jahre zu spät. Überlichtgeschwindigkeitsflüge waren zwar schon seit über hundert Jahren interstellarer Standart, aber auch wenn man die Lichtgeschwindigkeit mittlerweile um ein fast dreifaches überschreiten konnte, änderte das im Hinblick auf die enormen Entfernungen nur sehr wenig. Man brauchte immer noch unwahrscheinlich lange, um irgendwo anzukommen.
Nein, als Captain eines interstellaren Raukreuzers hatte man definitiv kein besonders aufregendes Leben!
Und dafür hatte Grunt sich nun gegen eine Berufslaufbahn als Kapitalanlageberater entschieden!

2.

Die zweite Schicht auf der Brücke hatte gerade begonnen, als sich Commander Miroslav Meeks, der erste Offizier der Seventy Roses, über das Okular seines Photonenmikroskop beugte, um die Entwicklung der neuen Kultur, die er vor zehn Stunden selbst angelegt hatte, noch einmal selbst in Augenschein zu nehmen. In dem Moment hörte er hinter sich das Zischen des sich öffnenden Schottes und die blecherne Stimme des Schiffcomputers verkündete “Captain auf der Brücke.�
“Status-Bericht, Mr. Meeks!� dröhnte Captain Grunt.
Meeks, den den Ton kannte, drehte sich in seinem Sessel um und antwortete ruhig und sachlich “Keine Besonderen Vorkommnisse, Captain“, konnte es sich allerdings nicht verkneifen, “Der Kefir ist in etwa neun bis zehn Stunden soweit� hinzuzufügen.
“Aha, sehr gut, der, äh… der was?!â€?

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Abgelegt unter: Blogg-Old-Mat, Fel-O-Fiction, Science-Felo — Felo @ 12:32