Neulich hat ein mir bekannter Westfale erzählt, er hätte bei seinem letzten Job ein Meeting mit dem Wort „Mahlzeit!“ betreten, und wäre pikiert darauf hingewiesen worden, wir seien hier doch nicht auf der Baustelle - und das auf schwäbisch, man stelle sich vor!
Als ich vor nunmehr sechs Jahren zum ersten mal nach Köln kam, habe ich einen Kiosk mit den Worten „Grüß Gott“ betreten, so selbstverständlich, wie ich das bis dahin immer getan hatte, (nur dass es da, wo ich herkomme, eigentlich keine Kioske gibt) und wurde tatsächlich mit den Worten „Wenn ich ihn treff‘!“ empfangen.
Auch wenn der Kölner Kioskbesitzer das bestimmt um einiges netter gesagt hat, als die schwäbische Kollegin meines Westfalens, war ich doch erst mal ziemlich perplex. Ich hatte nicht geglaubt, dass es dieses Klischee tatsächlich gibt, dass diese sagenumwobene Antwort mehr wäre als nur ein süddeutscher Mythos, den man sich so im Bierzelt bei einer zünftigen Maß und sich auf die krachledernen Schenkel klopfend über die Saupreiß‘n erzählt.
Ich verschwendete damals noch einen halben Gedanken daran, ob ich beim nächsten mal auf das übliche „Guten Tag“ mit einem schlagfertigen „Na, so gut ist der Tag auch wieder nicht, es sieht nach Regen aus“ antworten solle, halb, weil es so bissig humorvoll gewesen wäre, halb, weil es so unglaublich originell gewesen wäre, und zur dritten Hälfte natürlich, weil ich damit meine Kritik am Deutschen Wettervorhersge-Dienst hätte ausdrücken können, aber ich musste wohl zu Recht befürchten, dass die zu erwarteten Beifalls- und Gelächter-Stürme ausbleiben würden. Jeder Norddeutsche (oder besser: Nördlicher-Deutsche; damit meine ich alle, die nördlich das Weißwurstäquators leben), dem ich eine solch tiefsinnige Replik entgegengeschleudert hätte, hätte zu Recht mit Augenverdrehen und einem müden „Ha. Ha. Wie witzig“ reagiert. Der gleiche Nordeutsche allerdings, in Würzburg, München oder Rosenheim mit einem „Grüß Gott“ konfrontiert, fühlt sich wie der originellste Satiriker seit Fips Asmussen, wenn er die abgedroschenste aller Floskeln an den Mann bringen kann.
„Ja, wenn ich ihn mal treffe!“
Auch verstehe ich die halsstarrige, norddeutsche Eigenheit nicht, in die Grußformel „Grüß Gott“ partout etwas vermeintlich Religiöses hinein interpretieren zu wollen! So was von aus-Prinzip-humorloses kann auch eigentlich nur von norddeutschen Protestanten kommen! (Sehr zu recht, wie ich finde, stehen in keinem Lexikon der Welt unter den Begriffen „Locker“, „Unverkrampft“ oder „Humorvoll“ Querverweise zu „s.a. Norddeutsche Protestanten“! …allerdings auch keine zu “Unterfränkische Katholiken�. Aber das muss jetzt auch noch nichts bedeuten!)
Im Großen und Ganzen aber bin ich ziemlich froh, nicht mehr „Grüß Gott“ sagen zu müssen, und das ganz sicher nicht aus anti-katholischem Widerspruchsgeist! Denn obwohl ich seit meinem 13. Lebensjahr keinen Gottesdienst mehr freiwillig besucht habe (und höchstens ein halbes Dutzend unfreiwillig), hatte ich diese Formulierung nun über 20 Jahre als ganz normale, alltägliche Begrüßung benutzt und sie von diesen 20 Jahren ungefähr 19 dreiviertel Jahre lang nicht ein mal mit Gott oder der Kirche in Verbindung gebracht!
Nein, der Grund, warum ich froh bin, das „Grüß Gott“ los zu sein, ist ein ganz anderer:
Es klingt einfach scheußlich!
In Franken, meinem regionalen Ursprung, wird „Grüß Gott“ in etwa wie „GrsssG´tt“ ausgesprochen, mit einer kurzen, harten Betonung auf dem ausgelassenen o. Das klingt einfach nicht so nett wie „Tach!“, und es klingt schon gar nicht nach einem Glaubensbekenntnis! Höchstens nach einem sehr wurschtigen, gleichgültig dahingegrunzten Glaubensbekenntnis, und ganz bestimmt keins zu einer Religion, die einem irgendwas bedeutet. (Da kann man gerne Karikaturen von machen, ich verspreche, ich werde nicht zusammen mit anderen Franken norddeutschen Botschaften niederbrennen!) (weiterlesen…)
